Mein Widerstand zum Leben

Aktuell ist Winter. Es schneit. Es ist kalt. Überall Eis, vor allem auf den Straßen. Ich mag Winter allerdings nur am Wochenende und da auch nur am Sonntag. An diesen Tagen ist weniger Alltag. Niemand muss was machen, aber man kann. Ich habe die Wahl und das entspannt mich. Lange winterliche Spaziergänge lieb ich. Schöne Fotos von der Natur machen und mit anderen teilen, das erfreut mich. Anschließend nach Hause, einkuscheln und von drinnen nach draußen den Winter beobachten. Herrlich. 

Was mich dagegen nervt und mir wahrlich aufs Gemüt schlägt, ist, wenn Winter im Alltag ist. Überall der Matsch, die Glätte und ein Winterdienst, der nicht berechenbar unterwegs ist. Ich bin angespannt und verfluche die Wetterlage. 

Dabei macht das Wetter auch nur seinen Job. Und dessen bin ich mir sogar bewusst. Ich bin mir auch im klaren darüber, dass meine Einstellungen zum Geschehen es sind, die meine Stimmung heben oder senken. Und ich bin mir über meinen inneren Widerstand bewusst. 

Mein innerer Widerstand im Alltag zum Wetter und den daraus resultierenden Konsequenzen macht mir genau diesen schwer. Ich fluche, schaue öfter als nötig auf den Kalender um zu checken, wann endlich Frühling ist. Die Wetter-App begleitet mich wie ein Störfaktor, der nicht weggehen will. Der Fokus meiner Aufmerksamkeit liegt auf „Wann ist es endlich vorbei“ und „Ich will, das es endet“. Und so sehr ich das nachvollziehen kann, so sehr beeinflusst es meine Stimmung, mein Leben und meine Sicht auf die Möglichkeiten. Weil ich einfach im negativen Strudel gefangen bin. Ich halte mich quasi selbst gefangen. 

Das Szenarium erinnert mich an die Pandemie. Wir wohnten zu dem Zeitpunkt in Suzhou/China und ich war überzeugt, dass alles nach 6 Wochen überstanden ist. Als dann März wurde und die Grenzen zumachten, hoffte ich auf Sommer. Als endlich Sommer war, hörte ich auf damit.

Die Anfangszeit war herausfordernd. Zu viele Neuigkeiten am Tag. Davon viele nicht gut. Das lähmte mich und sorgte dafür, dass ich lustlos existierte.

Im Widerstand sein kann gut sein. Weil wir aktiv werden und bewusst eine Veränderung angehen. Unser Handeln von diesem Widerstand geprägt ist und wir mit einer inneren Klarheit voranschreiten. Das alles kann belebend auf uns wirken. Uns Energie schenken für Dinge und Taten, welche wir uns ohne diesen Widerstand nicht zugetraut hätten. 

Gleichzeitig kann innerer Widerstand dafür sorgen, dass wir all unsere Lebenskraft in diesen Widerstand legen, dass wir für nichts anderes mehr Kraft haben. Unser Fokus gehört dem Widerstand und all den Gefühlen, die damit verbunden sind. Es ist, als würden wir den Blick senken statt heben.

Sind wir im Widerstand mit den Umständen oder dem Leben selbst, dann kann es sein, dass wir uns selber gefangen halten mit Tiraden aus negativen Gedanken und Worten. Wir verhindern, dass sich das Leben in diesen Moment entfalten kann. Unsere Offenheit und Neugier geht verloren, weil der Blick auf das ist, was nervt.

Und ja, ich kann das alles nachvollziehen und gleichzeitig weiß ich, dass es anders gelingen darf. Dass Widerstand Stress auslöst, unser Cortisolpegel steigt und wir körperliche Symptome erfahren können. Innere Unruhe, Schlafstörung, Gereiztheit. Mit Leichtigkeit im Sein hat das wenig zu tun.

Aus Erfahrung ist mir bewusst, dass das Leben uns manchmal Dinge vor die Füße wirft, die uns überraschend zu Boden reißen. Dass Umstände plötzlich real sind, die wir niemals freiwillig gewählt hätten. Dass uns Menschen genommen werden, ohne unsere Zustimmung. Dass sich der Gedanke auftut, dass das Leben nicht gerecht ist. Und ja, an manchen Stellen ist es auch so. Doch niemand hat gesagt, dass das Leben gerecht sein muss. Das Leben will gelebt werden. Mit allen Hochs und mit allen Tiefs. Das unerwartete Dinge zum Leben dazu gehören, weil Leben eben nicht planbar ist. Auch wenn wir das in guten Zeiten denken.

Im Widerstand mit dem zu sein, was gerade ist, kann im ersten Augenblick Entspannung bringen. So können wir Luft ablassen, Ängste formulieren und Trauer & Zorn kommunizieren. Nach dieser Phase dürfen wir dann weg vom Widerstand hin zur Annahme kommen. Erst wenn wir akzeptieren, was gerade ist, haben wir den offenen Blick. Lösungen und neue Lebensideen entstehen aus der Entspannung, nicht aus dem Widerstand. 

Akzeptanz hebt den Kopf, schaut nach vorne und ist offen für Neues.

Innere Widerstand macht genau das Gegenteil.

Wir haben vier Jahre lang China nicht verlassen. Wir waren dort und haben das Beste aus der Situation gemacht. Es war eine gute Zeit, für die ich sehr dankbar bin, obwohl die Umstände herausfordernd waren. Ohne diese Epoche hätten wir niemals so viel vom Land gesehen. Ich hätte bestimmt nicht meine Bücher geschrieben und mich der Malerei zugewandt. Aus allem sind tolle Erlebnisse entstanden, Bekanntschaften, die von Dauer und Tiefe sind und meine Zufriedenheit. 

Doch was ist nun mit dem Winter? Ich mach das Beste draus und hoffe weiter auf einen frühen Frühlingsanfang.

Gut zu wissen 

Innere Widerstand hat spürbar körperliche Auswirkung wie Muskelverspannung, Stressreaktionen und psychosomatischen Beschwerden. Ein chronischer Widerstand versetzt das Nervensystem in dauerhafte Alarmbereitschaft. Das kann langfristige die Erschöpfung fördern und zu gesundheitlichen Problemen führen.

Stresssymptome können sein:

  • Herzklopfen, falsche Atmung bis hin zu Panikattacken
  • Kopfschmerzen 
  • Magen Darm Probleme
  • Antriebslosigkeit 
  • Fatigue

Was kannst du tun?

  • achtsame Wahrnehmung: Wann entsteht der Widerstand? Wo im Körper wird dieser gefühlt?
  • Atemübungen: bewusstes Atmen hilft das Nervensystem zu beruhigen und Spannungen abzubauen
  • Körperliche Bewegung: Aktivität reduziert Stresshormone und bringt den Körper aus der Erstarrung
  • Schreiben: Sichtbar machen, der eigenen Gedanken hilft den Kopf zu leeren und zu verstehen, woher diese Gefühle kommen
  • Akzeptanz: So erkennst du, was hinter dem Widerstand steckt. Welches Bedürfnis wird nicht gesehen? Welchen Wert lebe ich aktuell nicht? Was will mir mein Widerstand sagen?

Alle Liebe,

Jana

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