Die Anderen

frau mit hut

Das Leben wäre so schön – ohne die Anderen. Ohne die anderen Menschen und deren Meinung. Ohne deren Ansichten und Wünsche. Ohne die Gespräche mit ihnen. Ohne ihre Art von Lebensstil. Es wäre so einfach. Wir könnten uns einfach alles trauen. Alles machen, was wir uns vorstellen können. Alles erleben, was wir schon immer erleben wollten. Ohne die Anderen wäre das Leben wirklich einfacher.


Ist das SO?

Ich gebe zu, manchmal bin ich auch genervt, von den anderen Mamas, die alles selber kochen und basteln. Oder von den Familien, die einfach mit Sack und Pack um die Welt reisen, als wäre es das Leichteste von der Welt. Oder von den berufstätigen Müttern, die voll einen Plan und daraus eine resultierende Karriere haben. Oder die Frauen, die mit ihren Mädels eine Tour in die Südsee machen. Ich kann die Liste endlos fortführen, doch bringt mich das weiter?

Wäre mein Leben, wenn es die anderen Frauen nicht geben würde, wirklich einfacher?

Wir leben in Beziehungen. Mit jedem Menschen, der uns begegnet, haben wir eine Beziehung. Nicht gleich sexuell. Es ist eine Verbindung, in der wir uns zeigen. Wenn möglich authentisch. In jeder Begegnung treffen wir auf ein Gegenüber, mit dem wir Zeit verbringen. Und sei es noch so kurz. Wir haben das Leben der anderen Person gestreift. In diesen Momenten erfahren wir uns. Erfahren wir, ob wir unsere Werte leben. Ob wir wirklich wertfrei auf andere Menschen zu gehen oder doch einen blöden Gedanken denken. Wir erfahren, ob wir freundlich sind oder es nur im Aussen uns gegenüber erwarten. Wir erfahren, wer wir sind.

Das bedeutet, wir brauchen die Anderen, um uns zu erfahren. Gäbe es die Anderen nicht. Die, die uns ärgern und piesacken. Die, denen immer alles leicht von der Hand geht. Die, die alles haben, was wir wollen. Dann würden wir nicht wissen und erleben, was alles geht. Wir würden uns nicht trauen, Dinge zu tun, wenn wir nicht wüssten, dass Andere es auch schon versucht haben. Ebenso würde uns verborgen bleiben, was wir nicht wollen. Wie wir nicht leben möchte. Was wir nicht in unserem Leben haben möchten. Gleichzeit geben uns die Anderen die Chance zu wachsen. Täglich. Eigene Werte aufzustellen und zu leben. Eigene Lebensideen zu entwicklen. Eigene berufliche Ziele zu verwirklichen.

Gäbe es die Anderen nicht, dann könnten wir uns nicht reiben. Nicht diskutieren. Nicht lernen.

Gäbe es die Anderen nicht, dann wüssten wir nicht, wie gut sich ein Lächeln anfühlt. Wie schön es ist, wenn uns jemand liebt, weil wir sind, wer wir sind. Wir wüssten nicht, was gegenseitige Unterstützung ist und wie wohlig warm eine Umarmung sein kann.

Gäbe es die Anderen nicht, dann könnte unser Leben schnell langweilig werden.

Und nun?

Da es die Anderen immer geben wird – es sei denn, du kaufst dir eine einsame Insel und lebst da ganz allein ;) – ist es am besten, wir integrieren sie in unser Leben. Vielleicht als Freunde. Vielleicht als Bekannte, vielleicht als Vorbild oder als Abschreckung. Vielleicht als Lehrer, als Mentor oder Wachstumschance. Vielleicht als eine nette Begegnung oder einen schönen Moment. Vielleicht als eine lehrreiche Erfahrung oder als einen blöden Umstand.

Natürlich darfst du dich auch weiterhin mit den Anderen vergleichen und dabei immer den Kürzeren ziehen. Die Wahl liegt ganz bei dir.

Alles Liebe,

Deine Jana