Wenn ich einen Raum betrete, dann schau ich mich freundlich um und dann sage ich ‚Hallo’. In der Arztpraxis oder beim Sport sage ich ‚Guten Tag‘ und wenn ich mich mit Bekannten treffe, dann umarme ich sie auch schon mal. Das entscheide ich meist spontan. Je nach Situation oder Räumlichkeiten. Je nachdem mit welchen Menschen ich zusammen treffe. Je nach Tageszeit.
Ich empfinde es als Anstand, als Ausdruck meiner Wertschätzung, dass, wenn ich den Raum betrete, grüße. Das hat jetzt also nicht nur mit meiner Erziehung zu tun, sondern auch mit meinen Werten. Wie möchte ich begrüßt werden? Wie möchte ich von meinem Gegenüber wahrgenommen werden? Sich einfach stumm in den Raum stellen, empfinde ich als unhöflich. So, als würde mir jemand ungefragt Popcorn in den Einkaufswagen legen und dabei mürrisch schauen. Sich still im Raum aufzuhalten – das ist eine Sache. Sich lautlos in den Raum zu begeben – das ist mir suspekt. Die Fragen, die ich dann in meinem Kopf habe, sind: Was will mir diese Person mitteilen? Schaut her, ich bin unsichtbar? oder Ihr seht mich zwar, aber ich euch nicht? Egal welche Frage es ist, ich sehe diese Person. Unsichtbar durch Wände gehen, das klappt nur im Fernsehen. Sich still und heimlich irgendwo dazustellen ohne aufzufallen oder ohne jegliche Wirkung auf die anderen – das funktioniert nicht.
Sobald ich oder jemand anderes einen Raum, ein Restaurant, eine Arztpraxis betritt – geschieht etwas magisches. Sein Auftritt ist spürbar für alle Anwesenden. Diese nehmen ihn wahr. Durch sehen, hören und fühlen. Es lässt sich gar nicht vermieden, schließlich sind wir Lebewesen. Und selbst wenn wir keine wären, nur kleine Teilchen, löst unser Erscheinen eine Reaktion aus. Das ist so. Nennt es Physik oder Miteinander.
Wisst ihr was durch das Nicht – grüßen passiert? Ein lockeres Gespräch wird sofort unterbunden. Ein Austausch und Kennenlernen wird erschwert. Das Gedankenkarussell, was mit dem anderen los sein könnte, nimmt Fahrt auf. Interpretationen des Verhaltens, moralische Urteilsbildung, unangemessene Vergleiche sind das Ergebnis. All das sorgt dafür, dass wir uns voneinander entfernen, statt uns gegenseitig zu bereichern. Wir könnten eine gute Zeit miteinander haben, und sei sie noch so kurz. Aber das wird unterbunden.
Klar gibt es die Tage, an denen wir uns nicht gut fühlen. Wo uns jeder Mitmensch nervt und belastet. Die Tage, an denen wir am liebsten im Bett geblieben wären. Diese Erkenntnisse hast in diesem Moment allerdings nur du. Der Gegenüber weiß nichts von deiner Stimmung oder gemachten Erfahrung. Niemand kann sie weder riechen, noch erahnen. Nur wahrnehmen was ist, dass können sie. Und wenn du lieber im Bett geblieben wärst, dann wäre es wohl für alle besser, du gehts in das Selbige zurück.
Treffe ich mich mit Freunden dann umarme ich sie – als Zeichen meiner Zuneigung und Freude. Das mache ich gerne und freiwillig. Was ich dagegen so gar nicht mag, sind ungefragte Umarmungen. Da treffe ich das erste Mal auf fremde Menschen (weil sie bei meinen Freunden mit zu Besuch sind) und sie tun dann so, als würden wir uns schon ewig kennen. Sie stürzen praktisch auf mich ein und umarmen und herzen mich. Ganz schlimm ist es, wenn sie anfangen mir Küsschen auf die Wange zu drücken. Auch wenn nun einige Leser meinen, in anderen Ländern ist das Gang und Gebe (wie zum Beispiel in Frankreich) und es drückt die Leichtigkeit des Seins aus. So muss ich doch vehement widersprechen. Ich will bestimmt nicht als spießig dastehen, aber ungefragt in die Intim – Distanz einzudringen empfinde ich als pure Unhöflichkeit. Was ist wenn ich den anderen nicht riechen kann, weil das Parfüm oder der Eigenduft meiner Nase nicht gefallen? Was ist, wenn ich darauf allergisch reagiere? Was, wenn ich oder der andere krank ist und wir uns auf diesem Wege die Keime teilen? Alles berechtigte Fragen die das Miteinander beeinflussen.
Ein kleiner Gruß hat noch niemandem geschadet und am Ende verpasst derjenige vielleicht die Chance, seine Laune nach oben zu schrauben. Die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen. Die Idee, die gerade benötigt wird, um dass Blatt zu wenden, geht still und leise an einem vorbei.
Grüßen ist weder out noch altmodisch. Grüßen ist die Chance auf ein gutes Miteinander und die Weiterleitung von Wertschätzung.
Mein Anliegen
1. Grüßt bitte!
Es tut nicht weh, zeigt eure Wertschätzung und zaubert dem Empfänger eurer Botschaft ein Lächeln aufs Gesicht. Grüßt! Sagt ‚Hallo‘ ‚Guten Tag‘ ‚Auf Wiedersehen‘. Es sind so kleine Worte. Sie schaden weder euch, noch dem anderen. Und sie verhindern Spekulationen und Interpretation eures Verhaltens und Auftretens.
2. Keine ungefragten Umarmungen
Auch wenn Liebe ganz groß geschrieben wird und ich auch ein großer Kuschelfan bin, bitte keine ungefragten Umarmung an Menschen, die ihr entweder nicht kennt oder die das nicht mögen. Mit dieser kleinen Geste können ungute Gefühle ausgelöst werden und der entspannte Abend ist nach diesem Verhalten schon gelaufen. Denkt an die intime Distanz – die jeder von uns hat und respektiert sie. Als Zeichen eure Wertschätzung und für ein gelingendes Miteinander.
Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.
Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.
Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.
Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!
Sonnige Grüße
Jana
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