Wertschätzende Kommunikation – Teil 11

regen blume

Thema: Wertschätzende Kommunikation bei Tränen

Als ich einmal traurig war …

Als ich einmal traurig war,

da saß ich nur so rum.

Als ich einmal traurig war,

da war die Welt ganz stumm.

Als ich einmal traurig war,

da fühlte ich mich klein.

Als ich einmal traurig war,

da wollte ich nur sein.

Als ich einmal traurig war,

da suchte ich deine Hand.

Was ich bekam, war ungefragt,

ein Ratschlag von deinem Verstand.


Jeder von uns ist ab und an traurig. Die Gründe dafür sind so verschiedenen, wie die Menschen individuell sind. Manchmal wissen wir warum wir traurig sind, manchmal wissen wir es nicht. Manchmal ist es einfach ein Gefühl, das wir nicht beschreiben können – sondern nur fühlen. Da weinen wir  dann in unsere Kissen und Hände und die Frage nach dem ‚Warum‘ können wir einfach nicht beantworten. Ist das schlimm? Ich sage nein: Weinen ist genauso legitim, wie lachen – nur leider noch nicht so gesellschaftlich hoch angesehen.

Warum ist das so?

Ich vermute, das liegt daran, dass wir das Thema Trauer erst dann bearbeiten, wenn es einen Anlass dafür gibt. Wenn jemand stirbt, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema Tod. Wenn wir verlassen werden, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema Trennung. Wenn wir unseren Job verlieren, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema Verlustangst.

Alle diese Situationen (und davon gibt es noch Unmengen) haben eine Gemeinsamkeit:  Das Gefühl, welches in uns auftaucht und gesehen werden will, das ist nicht schön. Also im Sinne von, es fühlt sich nicht schön an. Dieses Weinen, was in den Augen brennt. Das schluchzen, was uns dem Atem nimmt. Das Gesicht, welches nach Stunden nur noch rot und verquollen aussieht. Das alles entspricht nicht unserer Gesellschaft, in der alle jung, schlank und dauerhaft glücklich sind. In einer Welt, in der die Menschen nur vom Lachen Falten bekommen und jegliche Probleme im Keime erstickt (äh … gelöst) werden. Weinen, traurig sein – das sind Themen die da nicht so rein passen.

Besonders anstrengend sind die Situationen, in den wir weinen und im ersten Moment keinen Grund finden. Die Momente, wo die Tränen fliessen, weil ein Lied im Radio lief oder ein Wort gesagt wurde. Ohne scheinbaren Anlass ist unsere Stimmung umgeschwenkt und dann immer diese blöde ‚Warum – Frage‘.

Solche Situationen können wir oft bei uns schon schwer aushalten. Wie ist das dann erst, wenn unser Gegenüber in so einem Zustand ist? In einem Zustand der Trauer, der Trennung oder einfach so? Wenn die Tränen fließen und wir sie sehen und aushalten müssen? Das Geschluchze, das Gejammer, die immer wieder kehrenden Worte zur Beruhigung? Was können wir da machen? oder besser gesagt: Was sollten wir unterlassen?


Wertschätzende Kommunikation bei Tränen

1. Es ist ein Gefühl, das gesehen werden will

So, wie wir alltäglich lachen und damit unsere Dopamin – Ausschüttung ankurbeln – so gehört Weinen als Reinigungsprozess eben so zu uns. Weinen als Zeichen von Trauer / Abschied nehmen / Trennung etc. Es ist ein Gefühl, dass in der jeweiligen Situationen in uns lebendig ist und dann auch gesehen werden will. Damit ein Prozess enden und etwas heilen kann.

Manchmal ist das Gefühl vorher da. Dieses Wissen, etwas ist im Gange. So wie im Guten, als Zeichen einer inneren Unruhe und nicht definierbaren Vorfreude. Oder im weniger Guten, als grummeln im Bauch und Tränen im Auge.

Nehmen wir das Gefühl, als das was es ist – ein Gefühl von uns, dass gelebt werden will. Egal wann und wo, dass nimmt Druck raus.

2. Zuhören und aushalten

Wenn jemand traurig ist und Beistand benötigt, dann besteht dieser in erster Linie im aushalten. Das klingt jetzt so einfach, ist es aber nicht. Warum? Weil wir mit unserer Trauer konfrontiert werden. Mit unseren Ängste und Sehnsüchten. Mit unseren Bewältigungsstrategien.

Und trotzdem oder gerade deswegen gilt in der Kommunikation: Zuhören und aushalten. In diesem Moment geht es um den Trauernden. Um sein Gefühl, sein Bedürfnis, seine Bewältigungsstrategien. Ein wertschätzender Umgang zeigt sich in Zuggewandtheit, einem offenen Ohr, viel Zeit und Taschentücher.

3. KEINE ungefragten Ratschläge

Damit wir das Gefühl der Trauer nicht spüren, lenken wir uns gerne ab. Mit anderen Themen oder Aktivitäten. Sind wir der Trauernde, dann ist alles erlaubt, was gefällt. Sind wir der Zuhörer und Beistand, dann ist nur das erlaubt, was dem Trauernden gut tut. Ungefragte Ratschläge und Hinweise a la „Das wird schon wieder.“ oder „Bei war das damals ganz ähnlich“ gehören definitiv nicht dazu.

Ein wertschätzender Umgang zeigt sich darin, solche Äußerungen zu vermeiden.

4. Sei Ehrlich

Nicht jeder kann gut mit Trauer umgehen. Entweder, weil es noch nie wirklich ein Thema war oder weil es einfach nicht gelernt wurde. Beides ist in Ordnung. Das wichtigste ist, damit ehrlich zu sich selber zu sein und dann zu den anderen.

Zu sagen, dass das Thema Angst macht – das du nicht weißt, wie du dich jetzt verhalten sollst oder darfst. Das alles ist ein Zeichen von Wertschätzung. Der Trauernde weiß somit, um deine Unsicherheit und kann darauf ebenso offen reagieren. Er kann sagen, dass er alleine sein oder einfach nur deine Hand halten möchte.


In meiner Welt sind Tränen ebenso erwünscht wie das Lachen. Beides gehört zum Leben dazu – mal hoch, mal runter. Und wenn wir alle einen wertschätzenden Umgang mit Tränen lernen, dann ist es vielleicht in naher Zukunft gesellschaftlich angesehen. Und das wiederum führt zu einer Akzeptanz – die sich in einem leichten Miteinander wieder findet. Diese Aussicht finde ich wirklich schön.


Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

Bildquelle: www.pixabay.de

2 Gedanken zu “Wertschätzende Kommunikation – Teil 11

  1. Sabine Brüß schreibt:

    Tränen stehe ich sehr positiv gegenüber. Gerade bei der Kommunikation (dein Hauptthema 😉 ) über wichtige persönliche Themen, sind sie der Hinweis darauf etwas gefunden zu haben, dass es wert ist anzuschauen. Ein Teil des vorhandenen Drucks löst sich und man sieht klarer in die Welt. Eine wertvolle und achtsame Betrachtungsweise von Tränen und Trauer in deinem Beitrag.

    Herzliche Grüße aus Münster
    Sabine

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