Übereinander Reden

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Letztens in der Schule wurde ich gefragt, ob ich schon das Neuste von Frau M. gehört hätte. Ich schaute verdutzt. Mein Gegenüber nimmt das als Anlass, um mich in Kenntnis zu setzen. Ich werde mit allen Details versehen und anschließend betrachtet wie ein Meisterwerk. Das Meisterwerk meines Gegenübers, welches mich mit Informationen ausstattete, um die ich nicht gebeten habe. Und nun, dank dieser Person, ich im Bilde bin.

Die Frage ist: Wollte ich das?

und vor allem

Wollte das Frau M.?

 


Über nicht-anwesende Personen zu reden, hat nichts mit Wertschätzung zu tun

Das was viele leicht als Lästern abtun, zieht Konsequenzen nach sich, über die sich viele nicht bewusst sind. Aber dazu später mehr.

Zu Beginn dieses Kommunikationsart steht die Frage: Ist das gelebte Wertschätzung?

Einige würden an dieser Stelle bestimmt mit dem Kopf nicken. Schließlich wird niemand verletzt und es ist ja nur ein Austausch von Information.

Genau diesem Irrtum unterlag ich auch in der Vergangenheit.

Nur ein Austausch von Information, wenn ich private Dinge und Ansichten einer Person ungefragt weitergebe? Wenn ich in diesem Zusammenhang meine Sicht der Dinge äußere, ohne das die betroffene Person eine Chance hat, darauf zu reagieren?

Nein, es ist definitiv kein Austausch von Informationen, es ist eine Überschreitung von Grenzen.

Zum einen der eigenen Grenze. Weil, wer gibt mir das Recht, ungefragt Inhalte über Dritte zum Besten zu geben?

Zum anderen die Grenze der betroffenen Person.

Natürlich ist es spannend zu hören, wo Frau Nachbarin im Urlaub war und wie viel sie dafür bezahlte.

Doch, um wenn geht es dabei wirklich?

Um Frau Nachbarin und ihren Lebensstil?

Oder um meinen, in welchem ich mir diese teure Reise nicht leisten kann?

Das ich immer noch die falsche Arbeit habe, um reich zu werden?

Oder Flugangst habe und erst gar nicht starten kann?


Wer über andere – nicht-anwesende – Menschen redet, spricht immer von sich.

Von seinem Neid, sich Dinge nicht leisten zu können.

Von seinen Bedürfnissen, die unbefriedigt in der obersten Schublade vor sich hin gammeln.

Von seinen festgefahrenen Situationen, die er/sie nicht bereit ist, mit aller Konsequenz, zu ändern.

Von seinen Träumen, Ängsten und Sorgen.


Konsequenzen die durch das Reden über eine nicht anwesende Person entstehen können:

  • Du bist bei deinem nächsten Zusammentreffen nicht mehr unvoreingenommen. Du hast ein Bild in deinem Kopf, dass dich daran hindert, offen und urteilsfrei auf diese Person zuzugehen. Entweder hast du Mitleid mit dieser Person oder du findest ihr Verhalten daneben. Beides schwingt unterschwellig in deiner Kommunikation mit.

  • Du lügst der Person offen ins Gesicht, schließlich kennst du Details, von denen die Person nicht weiß, dass du sie kennst. Du hast sozusagen ein Geheimnis und bist somit gehemmt für ein offenes Gespräch.


  • Da du den Inhalt der Geschichte kennst, stellst du kaum Fragen oder zeigst wenig Interesse. Das wiederum kann dazu führen, dass die Person dich als desinteressiert wahrnimmt und eventuell an eurer Verbindung zweifelt.


  • Wenn du der Person offen sagst, dass du ihre Geschichte schon kennst, weil du sie über zwei Ecken schon gehört hast – dann ist das vielleicht gut für eure Beziehung, weil du ehrlich warst. Gleichzeitig könnte dich die Person fragen, warum du es zugelassen hast, dass  private Dinge ungefragt weitererzählt werden.


  • Bist du ehrlich zu der Person, bist du gleichzeitig unehrlich zu dem Erzähler. Schließlich wurde es dir im Vertrauen erzählt.

Am Ende hast definitiv DU die Arschkarte in diesem Dilemma.


Was du tun kannst:

  • Sprich nicht über Personen, die nicht anwesend sind.
  • Sage klar und deutlich deinen Standpunkt, wenn andere Mitmenschen über Dritte reden.
  • Wenn du etwas wissen willst, dann frage die Person immer direkt.

→ So wahrst du deine Wertschätzung im Miteinander.


Jedes Wort das wir sprechen wirkt, auch wenn es nur gedacht ist. Gedachte Wörter lösen Gefühle in uns aus, die uns wiederum zum Handeln führen. Sprechen wir über nicht-anwesende Menschen, dann haben wir ein Bild im Kopf. Von ihnen und ihrer Geschichte. Das wollen wir dann beim nächsten Treffen überprüfen.

Da werden dann neugierige Fragen gestellt, um das vorhanden Wissen abzugleichen. Mit wirklichen Interesse an der anderen Person hat das oft wenig zu tun. Oft geschieht das, um beim nächsten Klatsch derjenige zu sein, der die Geschichte mit noch mehr Informationen bestücken kann.


Fazit:

  • Sprich nicht über Menschen die nicht anwesend sind.

  • Lass dich da nicht mit reinziehen, wenn andere das tun.


  • Es ist nicht wichtig, warum sie das tun, wichtig ist, wie DU darauf reagierst.


  • Sage, dass du die betroffene Person selber sprechen möchtest zum Thema, oder dass du sie vielleicht noch gar nicht kennst.


  • Bleibe bei dir und vermeide andere auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Oft wird das eher als Belehrung wahrgenommen, statt als dezenter Hinweis.

DU kannst einen Unterschied machen, indem du vormachst, wie es anders gehen kann.


Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht und wertschätzend sein, Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

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