Aushalten

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Raushalten fällt mich (manchmal) schwer.

Wenn ich Unrecht erlebe, dann kann ich mich nicht raushalten.

Wenn ich sehe, wie andere Menschen ihr Leben (scheinbar) um positive Chancen betrügen, dann kann ich mich nicht raushalten.

Wenn ich Streit oder gar Mobbing miterlebe, dann kann ich mich nicht raushalten.

Wenn ich spüre, dass beim Anderen Trauer, Wut oder Ohnmacht als Gefühl präsent ist, dann kann ich mich nicht raushalten.

Ich spreche die Situation an. Die Menschen. Teile ihnen mit, was ich wahrgenommen habe. Frage nach, wie es ihnen geht. Ob ich etwas für sie tun kann.

Oft passiert dann das:

Ich werde mit großen Augen angeschaut. Verdattert. Ungläubig. ‚Was ich denn glaube, gesehen zu haben.‘ ist eine Frage. ‚Was mir einfällt mich in ihr Leben einzumischen. Ungefragt.‘ eine andere.

Nicht alle Reaktionen sind positiv. Meistens ernte ich Kommentare, die von einem wertschätzenden Miteinander ein Stück entfernt sind.

Raushalten ist anstrengend. Ich tue mich schwer damit.


Aushalten statt Raushalten

In den letzten Jahren habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt und bin zu der Erkenntnis gelangt: Raushalten ist so schwierig für mich, weil ich mich so passiv fühle. Ich scheinbar Dingen beim Geschehen zusehe, ohne aktiv etwas zu tun.

Und doch ist es wichtig für mich und mein Miteinander, nicht jeden ungefragt mit meiner Wahrnehmung zu konfrontieren.

Somit habe ich ein anderes Wort gefunden für diese Momente: Aushalten.

Ich halte die Situation aus.

Ich halte die Person aus.

Ich halte aus, dass es nicht meine Aufgabe ist, alle zu retten.

Ich halte aus, dass ich nicht mit allen in ein wertschätzendes Miteinander komme.

Ich halte aus, dass andere Menschen Kommunikation anders definieren.

Aushalten hat etwas Aktives für mich. Es hat mit mir zu tun. Ich bin in diesen Momenten bei mir. Ganz bewusst. Ganz lebendig.

Jeder darf in seinem Leben, seine Erfahrungen machen. Das alles in seinem Tempo, mit seinen Lektionen die das Leben ihm/ihr schickt.

Ich habe andere Lektionen erfahren und damit andere Erfahrungen gesammelt.

Das ist gut so, weil sie mich nach vorne bringen.

Weil ich mit meinen Erfahrungen andere unterstützen kann – wenn sie das denn wollen.


Ungefragt nachgefragt ist nicht wertschätzend

Eines ist sicher: ungefragt nachgefragt ist nicht wertschätzend.

Ebenso mit seinen Erfahrungen dem Anderen seine Chance auf Wachstum zu nehmen. Ihm/Ihr sozusagen über den Mund zu fahren. Es besser wissen zu wollen. Auch wenn es gut gemeint ist – ist es noch lange nicht gut gemacht.

Aushalten ist schwer.

In der Kommunikation und im Miteinander – für mich – das Schwerste überhaupt.

Und doch erkenne ich darin eine Chance – für mich.

Welche?

Das ich meine Erfahrungen für mich mache, und nicht für die Anderen.

Das ich nur für mich verantwortlich bin, und nicht für die Anderen.

Das ich von den Anderen lernen kann. Von ihren Ideen im Umgang mit schwierigen Situationen.

Das ich ihnen Vertrauen schenke. In ihr Fühlen, Handeln und Denken.

Das gemeinsam eine Situation Aushalten verbinden kann.

Das gemeinsam Aushalten auch Kommunikation ist.

Das Aushalten ein Zeichen von Wertschätzung ist.

Mir gegenüber und dem Anderen.


Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht und wertschätzend sein, Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

4 Gedanken zu “Aushalten

  1. Ralf HauserRalf schreibt:

    Hallo Jana,
    ich glaube du beschreibst Ambiguitaetstoleranz. Google mal den Begriff. Ganz viele Leute koennen Sachverhalte, die nicht optimal sind, verdraengen, wegstecken, ausblenden. Wenn dann einer kommt und sie darauf hinweist, koennte ich mir vorstellen, ist das so wie wenn jemand Erziehung macht.

    Das ist dann so wie wenn ich in der Sauna zu einem Mann sage: Sie mit dem Schmuck wird es in der Sauna aber ganz heiss, dann rennt der Mann raus, kommt wieder rein mit derselben Anzahl Schmuck. Am Ende war er laenger in der Sauna als ich.

    Viele Gruesse Ralf

    Gefällt 1 Person

  2. Jana Ludolf schreibt:

    Hallo Ralf,

    danke für deine Anmerkung der Ambiguitätstoleranz. Dieser Begriff ist mir doch tatsächlich neu. Die Theorie dahinter klingt spannend. Ich werde mich gleich mal schlau machen.

    Sonnige Grüße
    Jana

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