Wenn die Angst uns lähmt

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„Ich fürchte mich vor dem, was ich gesehen habe. Ich bin erschrocken darüber, was ich getan habe. Wer ich wirklich bin. Aber am meisten hab ich Angst davor dich zu verlieren, Johnny.“ Diese Filmzitat aus Dirty Dancing sagt genau das aus, was viele Frauen denken und fühlen. Mich eingeschlossen. Dabei steht Jonny als Synonym für dich und mich. Für uns. Für unser Ich.

Wenn ich zurückschaue und mir bewusst mache, wovor ich alles Angst hatte.

Zum Beispiel, als ich das erste Mal alleine mit meinen Kindern geflogen bin. Da hatte ich Angst, dass ich im falschen Flugzeug sitze.

Oder als ich meine Vollzeitstelle gegen eine Teilzeit tauschte. Da hatte ich Angst, dass ich so wenig verdiene, dass wir verhungert unter der Brücke landen.

Oder als ich meine Scheidung einreichte, weil ich dachte, nun bin ich gebrandmarkt und werde nie wieder jemanden finden, der mich als Partnerin will.

Oder als wir die Chance bekamen nach China zu gehen.

Ich könnte dir noch so viel Dinge aufzählen, vor denen ich Angst hatte und auch habe. Es ist ja nicht so, dass ich angstfrei durchs Leben gehe. Ich habe Angst, wenn meine Kinder bei Freunden übernachten oder auf Klassenfahrt sind. Wenn mein Mann geschäftlich unterwegs ist. Ich habe Angst im nächsten Restaurant Essen zu bestellen, weil ich nicht weiß, was da kommt. Oder einen neuen Weg alleine zu erkunden oder …

Es wird immer Dinge geben, die mich einschüchtern. Die mich kurz aus der Fassung bringen. Die mich spüren lassen, das Ende ist offen.

Natürlich kann ich rückwirkend sehen, dass jedes Mal, wenn ich der Angst begegnet bin, daraus etwas Gutes gewachsen ist. Doch wie sicher ist das?


Gibt es ein Leben ohne Angst?

Es soll Menschen geben, die ohne Angst ihr Leben bestreiten. Leider bin ich noch niemandem davon begegnet. Entweder weil sie angstfrei alles erleben, wovon andere Menschen nur träumen oder – und das ist eher meine Vermutung – weil es sie gar nicht gibt.

Damit will ich nicht sagen, dass es schier unmöglich ist, angstfrei durchs Leben zu wandeln, nur ich bin nicht von dieser Absolutheit überzeugt.

Ich vermute, das jede Mensch Angst hat, aus den unterschiedlichsten Gründen. Und das wir diese Ängste nicht zur Geburt bekommen, sondern erst im Laufe unseres Lebens entwicklen. Aufgrund von Sehen und Lernen.

Zum Beispiel aus der Prägung der Herkunftsfamilie heraus. Die eigene Oma war immer ängstlich Fremden gegenüber. Die Mama war ängstlich in neuen Umgebungen. Der Papa war ängstlich, wenn es um die Arbeit ging. Eine weitere Möglichkeit ist, aus der Erziehung des Umfeldes heraus. Wenn der Nachbar rief, man solle nicht von der Mauer springen, weil dann etwas passieren kann – dann wird uns damit gesagt: Ich habe Angst, du nicht? Oder wenn wir von Naturkatastrophen lesen, dann trauen wir uns doch nicht auf unsere Wunschinsel.“

Es gibt so viele Einflussfaktoren. Die meisten davon befinden sich im Außen und haben selten etwas mit der Übereinstimmung unseres Erlebens zu tun. Denn Angst ist oft ein Erfahrungswert aus der Vergangenheit.

„Da erzählt uns Tante Irmchen, dass man sich vor den Männern in Acht nehmen muss. Schließlich nutzen sie einen nur aus und sie wisse das am besten, immerhin hat sie drei gescheiterte Ehen hinter sich. Die Nachbarin berichtet, dass es schwer ist, als Alleinerziehende eine gute Arbeit zu bekommen. Sie kenne das aus eigener Erfahrungen, ist sie doch seit Monaten ohne Arbeit.“

All diese Beispiele zeigen, dass jeder Mensch seine Erfahrungen macht und an diesen dann die Zukunft misst. Solange das Jeder für sich tut, wäre das ja ok. Doch leider teilen viele ihre Erfahrungen – oft ungefragt – und nehmen Anderen damit den Mut für deren Entscheidungen. Das Problem dabei ist und bleibt: Wir vergleichen die Zukunft mit Entscheidungen aus der Vergangenheit. Und nur weil es einmal nicht geklappt hat, wer gibt uns die Garantie, dass es in Zukunft nicht doch besser wird? Nur weil ich Angst habe, muss das nicht für dich gelten.


Das Problem mit der Angst

Als wir nach China gezogen bin, da war ich euphorisch und aufgeregt. Doch je mehr ich mich mit anderen Menschen darüber unterhalten habe, desto unsicherer wurde ich. Das ging bis zu dem Moment, in dem ich erkannt, dass die meisten Menschen meine Situation mit ihren Ängsten betrachteten. Das sie meinten, ihre Ängste wären so real, dass sie mich aufklären müssen. Meine Entscheidung war dann, nur noch mit Menschen darüber zu sprechen, für die es nicht „eine durchgeknallte Idee“ war.

Das Problem mit der Angst ist nicht die Angst selbst. Angst zu haben ist gut. Sie macht uns wachsam und versucht uns zu schützen. Angst sichert unser Überleben. Gerade Nachts im Park,wenn wir nicht wissen, was oder wer hinter der nächsten Hecke auf uns lauert. Das Problem mit der Angst ist, dass wir uns ihr nicht stellen. Schlimmer noch, sie auf andere Menschen (unsere Kinder und Freunde) übertragen, damit wir sie nicht spüren müssen. Damit wir sie nicht sehen müssen.

Das mag im ersten Arbeitsgang eine gute Strategie sein. Doch schon im zweiten wird klar – so wird das nichts. Die Angst geht nicht weg, nur weil wir sie ignorieren. Weil wir das Konfliktgespräch meiden, die Trennung nicht durchziehen oder die Kündigung nicht einreichen. Die Situation wird weder besser, noch wird die Angst kleiner. Am Ende ärgern wir uns nur. Darüber, das andere Menschen mutiger sind, wir nie etwas zu verlieren hatten, was eh schon verloren war und unsere Chance nicht aktiv genutzt haben.

Wozu? Um aus unserem Leben das Schönste zu machen, was geht.


Der Umgang mit der eigenen Angst

Doch was können wir – kannst du nun tun, im Umgang mit deiner Angst?

Zuallerst: Ich glaube, im Leben geht es nicht darum, keine Angst zu haben. Das ist ein aussichtsloses Unterfangen. Eher geht es darum, den Ängsten ihren Schatten zu nehmen. Hinter die Fassade zu schauen und zu erkennen, dass wir gar keine Angst haben brauchen. Denn oft liegt hinter der Angst das schönste Geschenk.

Es ist wie mit dem Laufen. Die ersten Schritte sind unangenehm und zwischendrin fragt man sich „Was tue ich hier eigentlich?“. Doch am Ende, nach den gelaufenen Kilometern, unter der Dusche – da kommt dieser Glücksrausch, es geschafft zu haben.

Genau so ist das auch mit der Angst. Wer sich ihr stellt, findet Lösungen und Strategien. Übernimmt Verantwortung für sich und sein Leben. Trifft Entscheidungen und erkennt – meist rückwirkend – das alles gut geworden ist.

Wenn du dich deiner Angst stellen willst, ich begleite dich gerne dabei. Schreib mir einfach und wir gehen den Weg zusammen: info@jana-ludolf.de

Alles Liebe,

Jana

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