Willst du Platzen oder Schweben wie ein Luftballon?

Luftballons

Zu Hochzeiten werden rote oder weiße Luftballons in den Himmel geschickt. Zusammen mit vielen wunderbaren Wünschen. Zu Kindergeburtstagen gibt es einen bunten Strauss voller Luftballons, damit Kinder damit spielen können. Auf der Betriebsfeier wirken sie dekorativ.

Das Knifflige an den Luftballons ist, dass das Aufblasen eine Kunst ist. Denn ist zu wenig Luft drin, dann kann der Ballon nicht steigen. Hängt eher schlaff vor sich hin. Wenn wir zu fest aufpusten, dann steht er unter Spannung und bei der ersten Berührung könnte er platzen. Und wenn wir zu enthusiastisch aufblasen, dann platzt er noch, bevor wir den Koten gemacht haben. Ehe ein Luftballon also friedlich in der Luft schwebt, hat er schon ein kleines Abenteuer hinter sich.


Unsere Reise ähnelt dem eines Luftballons

Der Luftballon ist eine tolle Metapher für unser Leben. Für das, was wir uns wünschen und für das, was dann eben passiert, wenn wir anders leben als erträumt. Jede von uns möchte gerne ein Leben haben, dass sich so leicht anfühlt – als schweben wir wie ein Luftballon über den Dächern der Stadt. Wir folgen einfach dem Wind, frei von jedem Gewicht das uns nach unten zieht. Wir fühlen uns getragen und sicher, dort oben. Von unten schauen Menschen nach oben. Winken uns zu. Staunen und freuen sich, wenn sie uns sehen. Dieses Gefühl, anderen Menschen einen guten Moment geschenkt zu haben, ohne Anstrengung, einfach nur weil es uns gibt – es ist berauschend.

Ja, wer von uns hätte nicht gerne genau so ein Leben.

Leider fühlen sich Viele von uns nicht wie ein Luftballon, sondern eher wie eine Stahlkugel. Statt Leichtigkeit kleben wir am Boden und werden von links nach rechts geschleudert. Manchmal sind wir sogar angekettet. An eine Person oder einen Gegenstand. Demzufolge folgen wir denen, statt unserer eigenen Intention.


Platzen wie ein Luftballon

Wollen wir nun, wie ein Luftballon, frei schweben – dann gilt es Ballast abzuwerfen. Tun wir das nicht, dann platzen wir wie ein Luftballon der zu straff aufgepustet wurde. Vielleicht nicht gleich, doch später definitiv.

Viele Frauen glauben noch immer, dass sie die ‚Kümmerlinge‘ in der Familie sind. Das bedeutet, dass sie die Person im Haus sind, die sich um alle Familienmitglieder kümmern muss. Darum, dass der Sohn immer ein frisches Fussballtrikot zum Training anhat. Darum, dass die Tochter ihre Verabredungen pünktlich wahrnehmen kann. Darum, dass der Mann den Rücken frei hat, um Karriere zu machen. Darum, dass die Familie einen gesunden Ernährungsstil hat und der Garten für die Nachbarn auch immer hübsch anzuschauen ist. Mir würden da noch so einige Beispiele einfallen.

Wenn wir Frauen uns bewusst dafür entscheiden – Prima! Du hast deinen Hauptpreis gezogen und darfst genau das Leben führen, dass dir und deinen Träumen am nächsten kommt. Leider ist das in der Realität nicht die Mehrheit. Die Mehrheit führt dieses Leben, weil sie denken, sie müssen es.

WARUM eigentlich?

Weil die eigene Mutter dieses Leben vorgelebt hat und immer versicherte, dass sie glücklich ist.

Weil die Gesellschaft weniger emanzipiert ist, als wir immer glauben.

Weil manche Männer diese Art von Rollenverteilung in einer Beziehung erwarten, und weil wir Frauen ihnen glauben.

Weil Frauen glauben, sie haben eh keine Chance, ihre Träume zu verwirklichen. Und die paar, die es geschafft haben – tja, das es dann eben die Besagte Ausnahme von der Regel.

Weil wir Frauen uns zu wenig mit uns selbst beschäftigen. Mit Themen die uns interessieren. Mit Dingen die wir schön finden. Weil wir denken, dass uns das nicht zu steht. Weil wir dann egoistisch wirken. Und mal ganz ehrlich, wer will das schon? Niemand.

Weil das Frauenbild von heute eben noch dem von vor grauer Vorzeit entspricht.

Wäre es nicht so tragisch, ich würde laut lachen.

Ich meine, wir schreiben das Jahr 2018 und das Rollenklischee ist noch immer aktiv. Frauen verzichten auf die eigene berufliche Entwicklung, weil sie sich für Kinder entschieden haben. Frauen verzichten aufs Reisen, weil sie ein Eigenheim wollten. Frauen verzichten auf Hobby´s, weil die der Kinder schon genug Zeit und Geld kosten. Frauen verzichten auf abendliche Veranstaltungen, weil der Mann spät nach Hause kommt und dann bestimmt Hunger hat.

JA, Frau kann nicht alles haben. Zumindest nicht alles zum selben Zeitpunkt. Und für alles andere gibt es Lösungen in Form von Babysitter, Erziehung hin zur Eigenverantwortung und Pizzalieferanten.

„Würden wir Frauen an mancher Stelle mehr in Lösungen denken, als im Jammern und Träumen zu versinken, dann wäre es kaum auszuhalten auf dieser Welt.“


Wie geht es nun – das Schweben wie ein Luftballon?

Überall liest Frau vom Loslassen und Platz machen, bevor sie selber platzt – doch wie geht das nun?

Einige Ideen und zur Nachahmung empfohlen:

  1. Schreibe, ohne nachzudenken auf, was dich am meisten in deinem Alltag nervt
  2. Schreibe, ohne nachzudenken auf, was dein Herz zum hüpfen bringt
  3. Schreibe auf, wann es dir am besten geht und wann am schlechtesten
  4. Erinnere dich an deine Kinderheit – was hast du geliebt, was hast du gerne gespielt, welchen Beruf wolltest du unbedingt ausüben

Zur Unterstützung dieser Möglichkeiten kannst du:

  1. deine Lieblingsmusik auflegen
  2. an deinen Lieblingsort fahren
  3. daheim dein Lieblingstee trinken
  4. spazieren gehen
  5. tanzen
  6. Bilder aus früheren Zeiten anschauen
  7. mit Menschen aus deinem Umfeld reden
  8. meditieren

Der Vorteil dieser Übung ist, dass du eben nicht platzt wie ein Luftballon. Da geschieht oft dann, wenn wir uns nicht gesehen fühlen. Glauben etwas verpasst zu haben. Erkennen, dass wir mehr ungeliebte Träume haben als Erinnerungen an erfüllte. Oft nehmen wir diese Anspannung erst dann wahr, wenn wir kurz von dem Platzen stehen. Unsere Bedürfnisse wollen eben auch erfüllt werden. Wir können eine ganze Weile darauf verzichten, aber eben nicht für immer.

Anzeichen für ein Platzen wie ein Luftballon:

  1. Konflikte mit der Familie nehmen zu
  2. körperliche Beschwerden nehmen zu (z. Bsp. Migräne, Schlafstörung, Erschöpfung etc.)
  3. Angespanntheit, Unkonzentriertheit
  4. Appetitlosigkeit oder Esssucht
  5. Entstehung von Ersatzhandlungen bis hin zur Sucht (z. Bsp. Kaufsucht, Fernsehsucht, Alkoholsucht, Tabaksucht)

Also, sei ein Luftballon und schwebe. Löse dich von dem, was dich zum Platzen bringen kann, damit du das Leben lebst, von dem du als kleines Mädchen immer geträumt hast.

Alles Liebe

Deine Jana

2 Gedanken zu “Willst du Platzen oder Schweben wie ein Luftballon?

  1. frannie schreibt:

    Wunderbarer Text, vielen Dank! Ich bin zwar keine Mama aber ich hätte noch weniger Jahre Zeit, eine zu werden. Und wenn ich mich in die Situation hineinversetze, sehe ICH mich darum kümmern, dass die Wohnung schön aussieht und das Kind frische Kleider anhat und das nervt mich. Ich übernehme automatisch Muster aus der Sozialisierung der Frauen/Mütter. Ich bin es auch jetzt schon, die dafür sorgt, dass immer etwas im Kühlschrank ist, mit dem mein Freund und ich was kochen können. Es ist zwar besser geworden. Eine Zeit lang habe ich einfach nichts mehr eingekauft und plötzlich tanzte mein Freund mit frischen Nahrungsmitteln an. Es geht also doch und vieles liegt an uns Frauen. Männer spüren, wenn wir es ernst meinen mit dem gerechten Aufteilen der Pflichten. Und wenn sie es ernst meinen mit uns, dann machen sie mit.

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    • Jana Ludolf schreibt:

      Liebe Frannie,

      Danke für deine Worte. Ja, wir Frauen übernehmen oft unbewusst Verhaltensmuster, die wir aus der eigenen Familie kennen oder die uns via Medien vermittelt wird. Umso wichtiger ist es dann, sich selber zu hinterfragen. Nur so können wir diese Verhaltensweisen ändern oder gar ablegen. Und da unser Gegenüber eben nicht unsere Gedanken lesen kann, ist eine offene und ehrlichs Kommunikation ein wichtiger Bestandteil in einer wertschätzenden Beziehung.

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