Wo stehst du in der Schlange?

Frösche

„Nimm du das letzte Kuchenstück, ich bin eh schon satt.“

„Fahr du doch mit deinen Jungs übers Wochenende weg, dann kannst du mal ausspannen.“

„Mach du ruhig früher Schluss, mir macht das nichts, wenn ich etwas länger bleibe.“

Wer kennt sie nicht, diese gut gemeinten Sätze? Die Sätze, die signalisieren – alles prima, solange es dir gut geht. Doch, gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.


Du stehst an erster Stelle

Ich kenne das aus eigener Erfahrung, besonders seit ich Mama bin. Bis zu diesem Zeitpunkt musste ich nicht wirklich Verantwortung übernehmen. Wohnung, Miete zahlen, pünktlich auf Arbeit sein und schaffen. Freizeitgestaltung nach Lust und Laune. Ich stand an erster Stelle in meinem Leben. Doch ab dem Zeitpunkt wo ich dieses kleine Bündel Leben in meinem Arm hatte, da wusste ich – nichts ist mehr wie es war. Nie mehr. Ich muss erwachsen werden. Jetzt. Schließlich gibt es da dieses kleine Leben, dass versorgt werden will. Täglich. Auch Nachts. Ich bilde mir ein, dass mich niemand vorgewarnt hat. Wie dem auch sei, nun war es so. Ich stellte alles hinten an, um das Überleben dieses kleinen Wesens zu sichern. Mittlerweile ist dieses kleine Bündel in der Teenagerzeit und noch immer gibt es die Momente, wo ich gefühlt einfach zu kurz komme. Sei es bei der Filmauswahl am Wochenende. Bei der Essensauswahl zum Mittag. Bei der Frage: Wer bringt den Müll raus und wer hängt die Wäsche auf. Bei der Freizeitgestaltung, welche sich nach den Zeiten der Hobby’s meiner Kinder richtet. Einfach bei allem. Und dabei habe ich doch alles gegeben. Ist das jetzt für immer?


Du stehst hinten, weil du dich dahin gestellt hast

Ich will jetzt gar nicht jammern, oder so. Doch irgendwie überkommt mich das Gefühl, dass mich niemand sieht. Das niemand meine Bedürfnisse wahrnimmt. Ganz zu Schweigen von der Erfüllung dieser.

Sätze wie: „Ich steh immer hinten an“ „ Alle in meiner Familie haben Zeit für sich und ich steh in der Küche“ hat die Eine oder Andere von euch auch schon mal gedacht.

Soll ich euch was sagen?

Ihr steht da hinten, weil ihr euch dahin gestellt habt. Bestimmt hat niemand je zu euch gesagt, ihr sollt allen immer den Vortritt lassen. Mir hat das auch niemand gesagt. Ich habe mich da von alleine hingestellt.

Einzige Ausnahme sind Kinder, die wirklich unsere Fürsorge benötigen, weil sie alleine nicht überlebensfähig sind. Doch auch das ist zeitlich begrenzt und ab Schulalter können unsere Kinder gewisse Dinge alleine tun. Wirklich! Das können und müssen sie sogar. Das ist dann auch genau der Moment, wo ihr euch in der Schlange wieder etwas weiter nach vorne stellen dürft und auch müsst.

WARUM?

Wer schon mal geflogen ist, der weiß, wem man die Sauerstoffmasken zuerst aufsetzen sollte. Nämlich sich selber. Das ist egoistisch, doch können wir erst anderen Menschen helfen, wenn wir selber genug Sauerstoff haben. Es nützt niemandem etwas, wenn ich auf mich verzichte und dann mit letzter Kraft einer anderen Person helfe, wenn ich doch andersherum viel mehr Menschen das Leben retten könnte.

Übertragen wir diese Situation in unseren Alltag, dann bedeutet das:

Wer seine Bedürfnisse wahrnimmt und diese sich erfüllt, der unterstützt aus einer positiven Grundhaltung heraus Andere bei deren Bedürfniserfüllung. Wer allerdings auf seine Wünsche pfeift, der fragt sich dann auch, warum sie Andere fördern soll. Schlimmer noch, wir helfen anderen Menschen bei deren Träumeverwirklichung und sind dann patzig im Unterton.

Konflikte entstehen unteranderem daraus, dass eine Frau ihre Bedürfnisbefriedigung ans Ende der Schlange stellt und sich dann wundert, dass es das Gegenüber weder wahrnimmt, noch auf die eigene Erfüllung von Wünschen verzichtet. Wenn wir unsere Bedürfnisses schon nicht Ernst nehmen, warum sollen es dann andere Menschen tun?


Sind wir gar nicht zu uneigennützig, wie wir immer denken?

Ja, es wirkt vielleicht uneigennützig, wenn wir stets unsere Hilfe anbieten und unsere Wünsche dabei unter den Tisch fallen lassen. Doch ganz ehrlich, das wirkt auch nur so, weil uns das so eingeredet wird. Weil wir uns das so einreden. Im Grunde wollen wir mit diesen Handlungen nur eins, Anerkennung und Wertschätzung. Tief in uns drin. Im Unterbewusstsein. Stimmt nicht? Dann horch in dich rein und schreib mir, wenn es bei dir anders ist. Die Wenigsten tun Dinge aus reiner Nächstenliebe. Die Meisten tun es für sich, weil sie sich damit rühmen, etwas Gutes getan zu haben. Sich für die Familie aufgeopfert zu haben.

Oder sie tun es, weil sie sich etwas erhoffen. Einen Mehrwert, Liebe und Zugehörigkeit.

Oder sie machen es, weil sie glauben, es tun zu müssen – ohne zu hinterfragen, ob es auch das ist, was sie ernsthaft wollen.

Und die, die es wirklich aus reiner Nächstenliebe tun, denen ist das so ein Bedürfnis, dass sie ganz entspannt auf andere Dinge verzichten können und sich niemals am Ende der Schlange stehen sehen.

Die Frage lautet: Wo stehst du und noch wichtiger, wer hat dich dahin gestellt?


Wie du in der Schlange wieder nach vorne kommst

  1. Mach dir bewusst, wo du stehst
  2. Nimm deine Gefühle war und die daraus resultierenden Bedürfnisse
  3. Übernimm Eigenverantwortung
  4. Denke in Lösungen und nicht in Problemen

Ja, jede Schlange hat ein Ende, doch niemand hat gesagt, dass du da stehen sollst.

Zudem, wie wäre es, wenn wir die Schlange in einen Kreis umwandeln. Dann steht niemand am Anfang und niemand am Ende. Alle sehen sich. Nehmen sich wahr. Keiner muss sich den Hals verrenken, um zu schauen wer noch alles da ist.

Stehen wir alle im Kreis, dann können wir einander die Hände reichen und darum geht es doch eigentlich.

Alles Liebe

Deine Jana

2 Gedanken zu “Wo stehst du in der Schlange?

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