Sprachlosigkeit – Teil I

sprachlos

Miteinander reden – die Basis einer gesunden Beziehung. Klingt logisch, klingt einfach. Wenn das so wäre, dann würden Ehen ewig halten, Freundschaften ein Leben lang und Konflikte nur aus Büchern bekannt sein.


Miteinander reden – was bedeutet das?

Reden und reden ist nicht immer das Gleiche. Das was die einen unter reden verstehen, bedeutet nicht gleichzeitig, dass die anderen das ebenso definieren.

  • Wir können uns über anstehende Termine, über das Wetter und über die Nachbarn unterhalten.
  • Wir können uns über die neusten Klatschgeschichten austauschen, über die neusten Filme im Kino und die letzte Rezension des Bestsellers.
  • Wir können allerdings auch über uns reden. Über unsere Gedanken und Gefühle. Über unsere geheimsten Wünsche und Vorstellungen. Über unsere Zukunftspläne und die Ideen die damit zusammenhängen.

Folglich ist reden und reden nicht das Gleiche, nur dasselbe.

Kommunikation ist Beziehung – immer und überall. In diesen Moment des Austausches von Informationen treten wir in eine Beziehung ein. In diesem Augenblick teilen wir uns dem anderen mit und zeigen ein Teil von uns. Wir zeigen ihm unsere Meinung zum letzten Film und die Idee für das Morgen. Jede Beziehung – und dabei meine ich Jede (wohl privat wie auch beruflich wie auch geschäftlich) – beeinflusset unser Leben.

Wie?

  • Ist die Bäckersfrau unfreundlich, dann gehe ich dort nie wieder einkaufen.
  • Ist der Kollege aufgeschlossen, dann wende ich mich beim nächsten Problem wieder an ihn.
  • Fühl ich mich in meiner Partnerschaft sicher und geborgen, dann spreche ich alle Themen an, die mich bewegen.

Aus diesem Aspekt heraus wird deutlich, dass wir jede Beziehung, jede Kommunikation prägen. Sie mit unseren Eigenschaften beleben und fördern oder eben hinhalten und schwächen. Pro Begegnung haben wir – hast du – jedes Mal die Chance zu entscheiden: über was gesprochen wird und ob du deine Beziehung damit positiv gestaltest oder nicht.


Wenn wir nur über Dinge reden, die scheinbar bedeutungslos sind

Werden die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt, nicht wahrgenommen oder angesprochen, dann ist das schädlich. Für die eigene Gesundheit und für die Beziehung.

  • Sind die Dialoge nur mit Informationen gefüllt, die die Struktur des Alltags beinhalten.
  • Hängen die abendlichen Worte nur mit Menschen zusammen, die gar nicht bei dir wohnen.
  • Wird nur über Dinge gesprochen die im Aussen sind – nicht im Inneren. Die nichts mit dir zu tun haben, sondern mit wem auch immer.

Dann kann daraus Sprachlosigkeit entstehen: Worüber noch reden, wenn die wichtigen Dinge ausgelassen werden? Worüber nachdenken, wenn der andere eh nur belangloses Zeug von sich gibt? Auf was die Beziehung aufbauen, wenn dass, was bewegt, nicht angesprochen wird? Konflikte unter den Teppich gekehrt werden und das was am meisten schmerzt, einfach weggedrückt wird?

Viele Paare glauben, dass das mit der Kommunikation schon irgendwie klappt und sind dann erstaunt, wenn das eben nicht so ist. Wenn im Streit Dinge hochgeholt werden, die gefühlte Ewigkeiten zurück liegen. Wenn Bedürfnisse genannt werden, die dem anderen völlig neu sind. Wenn Gefühle im Spiel sind, die der andere gar nicht kennt und kaum aushalten kann.

Dann ist die Beziehung in einer Sprachlosigkeit angekommen, die weder wertschätzenden noch förderlich für die Parteien sind. In diesen Momenten liegt die Sprachlosigkeit wie ein großer Stein auf deiner Brust und tut weh. Die Luft zum atmen ist dünn und die Gefahr einer Explosion hoch.


Was ist deine Beziehung wert, wenn du nicht alles ansprechen darfst, was dich bewegt?

So provozierend die Frage auf dich wirken mag – sie ist genau so gemeint. Welchen Wert hat deine Beziehung, wenn:

  • du bestimmte Themen nicht ansprichst, weil du glaubst zu wissen, dass der andere es nicht verstehen wird
  • du bestimmte Themen nicht ansprichst, weil du Angst vor der Reaktion deines Gegenübers hast
  • du bestimmte Themen nicht ansprichst, weil du der anschließenden Konfrontationen aus dem Weg gehst
  • du bestimmte Themen nicht ansprichst, weil du das alleine sein nicht erträgst

Diese Liste kann jeder für sich vervollständigen.

Eine Frage hab ich da noch: Kannst du ein glückliches und zufriedenes Leben leben und dabei auf Dinge verzichten die DIR wichtig sind? Kannst du eine entspannte Beziehung führen, mit dem Wissen, dass dir die unterschiedlichen Ansätze zur Lebensgestaltung die Luft zum Atmen nehmen? Kannst du wertschätzend sein, mit der Wut im Bauch und der Ohnmacht im Herzen?


Was tun bei Sprachlosigkeit?

Sprachlosigkeit kann dir in jeder Beziehung passieren. Damit meine ich auch jede Beziehung! Sowohl in der Arbeit mit Kollegen und Mitarbeiter. Wie auch in der Familie mit dem Partner und den Kindern. Ebenso mit den eigenen Eltern, den Geschwistern und den Nachbarn.

Meine Ideen kannst du somit auf deine jeweilige Beziehung anwenden, die dir gerade ans Herz geht. Die dich nicht schlafen lässt und zu nachdenken anregt.

1. Erkennen

Schau in deine Beziehung und erkenne die Sprachlosigkeit. Über welche Punkte könnt ihr nicht reden? Bei welchen Aspekten werden die eigenen Bedürfnisse nicht wahrgenommen, ganz zu schweigen von ansprechen und leben.

Wer erkennt, in welchen Bereichen Sprachlosigkeit herrscht, der hat die Chance genau das zu ändern. Hat die Chance auf ein Beleben der Beziehung. Auf ein Miteinander, statt gegeneinander. Darauf das Konflikte gesehen werden, die Wertschätzung steigt und die Leichtigkeit im Alltag zurück kommt.

2. Ansprechen, was bewegt

Auch wenn es weh tut oder die Angst groß ist, dass der andere nicht zuhört oder wenig Verständnis für einen hat – ansprechen. Ansprechen, was einen bewegt. Ansprechen, dass die Kommunikation gerade schwierig ist. Ansprechen, was dir am anderen auffällt.

Alles was unausgesprochen bleibt, dass möchte irgendwann gesehen und gehört werden. Und den Zeitpunkt sucht sich dann dein Gefühl aus, nicht dein Verstand. Und das kann dann ein sehr ungünstiger Zeitpunkt sein.

3. Neue Wege gehen

Kommunikation kann viel, aber eben nicht alles. Sie sorgt dafür, dass wir gehört werden und gesehen. Das wir uns zeigen können, mit dem was uns bewegt. Sie unterstützt uns in unserer Bedürfniserfüllung. Wenn alle Wege gegangen sind und eine Lösung nicht greifbar wird. Ein Miteinander nicht funktioniert, dann geh neue Wege. Für dich und deine Bedürfnisse. Kommuniziere es. Sage dem anderen, wie dein Weg aussieht. Das er gerne mitgehen kann, aber nicht muss. Das es sich bei allem Tun um dein Leben dreht und deine Idee davon.


Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

Bildquelle: www.pixabay.de

5 Gedanken zu “Sprachlosigkeit – Teil I

  1. teekay1st schreibt:

    Liebe Jana, wieder einmal ein wunderbarer, gehaltvoller Post. Ich denke, jeder, den diesen aufmerksam liest, kann viel mitnehmen für ein besseres und glücklicheres Miteinander. Ich hatte schon diese Erfahrung gemacht, dass Unterhaltungen entweder nur oberflächlich waren oder eben nur auf das Ich des Gesprächspartners bezogen waren. Man fühlt sich dabei nicht besonders gut. Danke Dir.

    Gefällt 1 Person

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