Sprachlosigkeit – Teil II

strauss

Wo ein erster Teil, da auch ein zweiter.

Inhalt meines ersten Beitrages: Sprachlosigkeit in der Beziehung.

Inhalt meines zweiten: Wenn das Gesagte deines Gegenübers deinen Mund zwar öffnet, du diesen aber nicht mehr zu bekommst.

Folgende Begebenheit:

In meinem Briefkasten befindet sich eine Benachrichtigung von der Post. Da ich nicht daheim war, kann ich zu einem bestimmten Zeitpunkt mein Paket in der Filiale vor Ort abholen. Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg dorthin. Nach dem betreten des Raumes und einem freundlichen „Guten Tag“ – Gruß,  zeige ich mein Kärtchen. Als Antwort erhalte ich in einem barschen Ton mit zugekniffen Augen: „Das kann ich ihnen nicht geben, da steht ein anderer Name drauf!“ Ich kläre auf, dass mein Mann das Paket bestellt hat und ich es nun gerne abholen würde. Folgende Antwort erhalte ich: „Das kann ja jeder sagen. Hier im Laden ist das so, dass nur der das Paket bekommt der auch drauf steht. Und selbst wenn sie die Ehefrau sind, dann brauche ich einen Vollmacht von ihrem Mann. Tja, hier im Laden herrschen eben andere Regeln – als bei der Post die zu Ihnen nach Hause kommt.“

In einen meiner letzten Beiträge verwendete ich das Stilmittel der Ironie. Dies war sowohl am Anfang, wie auch am Ende gekennzeichnet. Trotz dieser Maßnahme habe ich folgende Emails erhalten: „Sehr geehrte Frau Ludolf, eine kleine Rückmeldung zu Ihrem Text „10 Dinge, wie Du ein wertschätzendes Miteinander verhindern kannst„: Mir scheint, Ihr Plädoyer ist vor allem von Ironie und Sarkasmus regelrecht durchdrungen – von den Gestaltungsprinzipien also, die Sie selbst in Punkt 5 anprangern. Dies fiel mir  {…} auf, {…} törnt mich eine derartig geprägte Ansprache eher ab. {…}.

Ich bin eingeladen auf eine Geburtstagsfeier. Bis auf das Geburtstagskind und ein paar wenige Gäste, sind mir die meisten unbekannt. Am Büfett komme ich mit dem einen oder anderen ins Gespräch. Auf die Frage, was ich beruflich mache, antworte ich: „ Ich arbeite als Familiencoach für Patchworkfamilien und Kommunikationstrainer in eigener Praxis {…}.“ Die Reaktion meines Gegenübers: „Ich wußte gar nicht, dass man damit Geld verdienen kann. Das ist bestimmt nicht einfach und reich wird man damit auch nicht. Naja, dann werde ich ab jetzt aufpassen, was ich wie sagen – nicht das du mich noch analysierst {…}“ (Ein Klassiker auf meine Äußerung ;))

Ich bekomme meinen Mund gar nicht mehr zu und mit staunen hat das jetzt nichts zu tun. Eher mit erstaunt sein. Erstaunt darüber, wie andere sich äußern. Was sie meinen, sagen zu müssen, ohne das ich konkret nachgefragt habe. Erschüttern sein darüber, wie andere auf bestimmte Dinge reagieren. Wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind, wie verschieden Bedürfnisse definiert werden.


Methode: Schlagfertigkeit

Ein Versuch die Sprachlosigkeit zu beenden zeigt sich in der Anwendung von Schlagfertigkeit. Eine spontane Wortwahl die deinem Gegenüber zeigen soll: ‚Schau her, ich bin nicht auf den Mund und schon gar nicht auf den Kopf gefallen‘. An sich eine sehr kluge Sache. Allerdings an mancher Stelle nicht clever eingesetzt. Es besteht die Gefahr, dass die Anwendung von Ironie folgt. Die Folge davon kann Miss- und Unverständnis sein und das Potenzial eines Konfliktes erhöhen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der andere immer noch nicht weiß, was du nun wirklich willst. Dieses „nicht verstanden“ werden endet dann eventuell darin, dass weitere Kommunikationsberührungen ausgelassen werden. Schließlich zeigt die gemachte Erfahrung, dass miteinander reden nichts bringt.

Das Schlimmste an der Schlagfertigkeit ist, dass wir damit nicht authentisch sind. Dadurch das wir einfach über unsere Irritiertheit hinweggehen und so tun, als hätte wir gerade voll den Durchblick, nehmen wir unsere Gefühle und das was in uns lebendig ist, nicht wahr. Die Folge: Wir entfernen uns von uns. Ja, richtig gelesen – von uns.

Warum? Jede Kommunikation beginnt bei uns. Jedes Wort – das wir hören oder sagen – löst ein Gefühl, eine Idee des Miteinanders in uns aus. Unterdrücken wir unsere Gedanken und unser Gefühl zu bestimmten Themen – die Gründe sind so vielfältig wie die Menschheit individuell ist – dann verpassen wir die Chance auf ein wirkliches Miteinander. Wir verpassen die Chance uns kennenzulernen und unser ganzes Potenzial in seiner Einzigartigkeit auszuleben. Wir verpassen die Chance, zu erkennen und zu erfahren, was möglich ist, wenn wir uns echt zeigen – mit allen Gefahren die da lauern.


Methode: non – verbale Kommunikation

Sprachlosigkeit zeigt sich oft in der non-verbalen Kommunikation. Die fehlenden Worte werden mit der Gestik, Mimik und Körperhaltung ersetzt. Klingt komisch, ist allerdings so. Da, wo wir sprachlos sind, reagiert unser Körper. Mit Augenrollen bei destruktiven Lösungsansätzen. Mit „Pff-Rufen“ bei Jugendlichen auf Ansagen der Eltern. Mit Gewalt durch Fäuste, auf ungewohnte Widerworte. Gespräche enden, weil der eine Gesprächspartner einfach die Situation verlässt – ohne Worte. Oder weil der andere Gesprächspartner sagt, dass alles besprochen wäre. Sei dir bewusst: die non-verbale Kommunikation wirkt. Auf allen Ebenen. Für die Interpretation dieser Kommunikationsart hat jeder sein eigenes Repertoire – oft anders wie der Gegenüber.


Eigene Themen kommen ganz nah

Es kann natürlich auch damit zusammenhängen, dass wir mit unseren Themen in Berührung kommen. Mit unsere Scham, unserer Trauer, unserer Wut. Die eigenen Anteile wollen nicht wahrgenommen werden und – zack – dein Gegenüber spricht sie aus oder hat genau das als akutes Thema in seinem Leben. Und da wir an manchen Tagen lieber nicht darüber nachdenken wollen, lenken wir unsere Aufmerksamkeit ins aussen. Wir sind dann erschüttert über die Art seiner Äußerung, über die Gedanken zu bestimmten Themen und zeigen das als Sprachlosigkeit. Wir schützen uns, indem wir urteilen und das Schubladendenken ganz viel Platz zur Entfaltung findet.


Ideen im Umgang mit Sprachlosigkeit

1. Benenne Sie

Wenn dir dein Mund schon offen steht und deine Gedanken in einem luftleeren Raum nach Halt suchen, dann sage es genau so. Dein Gegenüber sieht dir das eh an. Dein wirrer Blick, dein Stirn runzeln, deine Sprachlosigkeit. Benenne das, was in dir los ist. Das du gerade irritiert bist über das Gesagte oder verwirrt. Das du keine Antwort auf diese Begebenheit hast. Je klarer du dich äußerst, um so authentischer bist du und um so größer ist die Chance auf ein gegenseitiges Verstehen.

2. Erkenne deine eigenen Anteile

Jede Kommunikation hat mit uns zu tun. Aus diesem Grund tiggert jede Sprachlosigkeit ein Thema bei dir an. Vergangene Begebenheiten, eigene Schamanteile, ungeliebte Bedürfnisse. Reflektiere die jeweilige Situation und erkenne deinen eigenen Anteil. So kannst du das nächste Mal besser mit solchen Situationen umgehen.

3. Grenze dich ab

Deine Sprachlosigkeit entsteht, weil dein Gegenüber auf deine Äußerung reagiert. Das bedeutet, irgendetwas in deinem Gesagten, bringt ihn dazu, genau so zu antworten. So wie du deine eigenen Anteile hast, hat dein Gegenüber seine. Egal wie Ironisch oder schnippische seine Reaktion ist – es hat mit ihm zu tun. Mit seiner Reaktion schützt er sich (unbewusst) vor eigenen Themen. Sei dir darüber klar und grenze dich innerlich ab. Die Verhaltensweise schützt deinen Gesprächspartner davor, nicht die Fassung zu verlieren oder zu jammern oder Gefühle zu fühlen, die lange verborgen waren. Thaddaeus Koroma sagt dazu: „ Dein Gegenüber hat Recht und du keine Ahnung.“ Dieser Satz stimmt, weil wir eben nicht erahnen können, warum die Antwort so gestaltet wurde.


Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

Bildquelle: www.pixabay.de

2 Gedanken zu “Sprachlosigkeit – Teil II

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