Es geht immer nur um Entspannung

Frau Blaue Haare

Es geht immer nur um Entspannung.

Ich habe viele Stimmen in meinem Kopf. Manchmal spricht nur eine davon. Manchmal alle durcheinander. Manchmal diskutieren sie. Und manchmal gehen sie mir mächtig auf den Nerv. Da wünsche ich mir Ruhe – da oben. Niemand der mein Kleidungsstil kommentiert oder meine Kalorien zählt. Niemand der mir sagt, was mein Gegenüber von mir denken könnte und wie es wohl aussieht, wenn ich nervös mit den Nasenflügeln wackle.

Um da in meinem Kopf Ruhe reinzubekommen, habe ich viele verschiedene Dinge ausprobiert. Meditieren, Laufen, Singen, positive Affirmationen, Lesen, lustige Videos anschauen. Kurzfristig hat das alles geholfen. Langfristig nicht.

Warum?

Weil ich die Stimmen nur weghaben wollte, ohne sie erst mal zu hören.

Wenn meine Stimmen da sind, dann strengt mich das an. Genauso wie es mich anstrengt, wenn meine Kinder in der Öffentlichkeit weinend am Boden lagen oder das gekochte Abendmahl nicht geschmeckt hat. Es gibt unendlich viele solcher Momente, wo ich angespannt bin und das auch spüre.

Wie?

In dem ich meine Schultern hochziehe, den Kopf schief lege, mit meinem Bein wippe und eine krause Stirn mache. An manchen Tagen spüre ich diese körperliche Veränderung, die in Verkrampfung endet und mir am Abend Kopfweh schenkt. Manchmal spüre ich sie nicht.

Statt es dann wahrzunehmen, verfalle ich in eine Übersprunghandlung. So wie eine Katze, die sich dann ganz plötzlich anfängt zu lecken. Das mache ich dann nicht. Stattdessen bin ich wütend und werde laut. Oder ich hol mir was zu essen und schmolle. Wie auch immer meine Reaktion ist, sie soll dafür sorgen, dass meine Anspannung weggeht. Jetzt! Weil es einfach unangenehm ist.

Setzt dann Entspannung ein, dann kann ich auch wieder klar denken. Höre in einer Diskussion meinem Gesprächspartner zu und finde Argumente in Zimmerlautstärke.

Ich war mal in Hamburg auf dem Flughafen und wollte nach Dubai. Mein Flug wurde 30 Minuten vor Abflug gestrichen, wegen Streik. Ich war von jetzt auf gleich so angespannt, dass ich in der aufgewühlten Masse stand und die Flugbegleiter ebenso böse angefunkelt habe. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, stellte mich in die Schlange und beschwerte mich. Das hat leider nichts gebracht, weil der Flug eben nicht ging. Ich war so verunsichert, dass ich feuchte Augen bekam und erst mal vors Gebäude ging. Dort fühlte ich meine Tränen und ließ sie laufen. Dann schaute ich in den Sternhimmel und ganz langsam setzte Entspannung ein. So konnte ich wieder klar denken und mir ein Zimmer nehmen, um dann am nächsten Tag zu fliegen.

Mit dieser Geschichte möchte ich zeigen, dass, wenn wir die Anspannung erst mal nur annehmen, um sie dann zu fühlen und anschließend gehen zu lassen, vertun wir uns nichts.

Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung ist das, was uns durchs Leben trägt.

Verstehen wir dieses Prinzip, dann flippen wir nicht einfach so aus, sondern fühlen unsere Anspannung als das, was sie ist, eine Körperempfindung.

Nicht mehr und nicht weniger.

Alles Liebe,

Jana

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