Diese Stimme

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Ab und an passiert es, dass ich auf Fragen Antworten bekomme, die ich blöd finde. So etwas geschieht hin und wieder. Das Kuriose an der Sache ist nur, dass ich mir oft die Antworten selber gebe – ohne es bewusst wahrzunehmen, weil es eigentlich nur ein Gedanke in meinem Kopf ist.

Doch jeder Gedanke in meinem Kopf ist ein Selbstgespräch mit mir.

Mittlerweile so routiniert, dass ich es manchmal gar nicht mitbekomme, was ich mir da eigentlich erzähle. Das, wo ich in einem Gespräch sehr achtsam bin, fällt in diesen Zwiegesprächen weg, weil die Stimme so vertraut ist, dass ich sich ungefiltert höre, ohne sie zu hinterfragen. So, wie ich es bei einem realen Gesprächspartner machen würde. Nachfragen, ob die Aussage zu mir oder über mich, ernst gemeint ist und aus welchem Grund sie gemacht wurde.

Jede von uns hat diese Stimme.

Die Stimme in unserem Kopf, die uns erzählt, was geht und was nicht geht. Und so sehr wir diese Stimme verteufeln, so sehr tun wir uns das selber an. Denn diese Stimme in unserem Kopf, das sind wir selber.

Wir sprechen mit uns. Niemand anderes ist da in unserem Kopf. Nur wir.

Doch wo kommt diese Stimme her? War sie schon immer da?

Diese Stimme, die mit uns redet, so ganz vertraut. Die, die uns etwas verbietet oder erlaubt, das sind Erfahrungen, die wir in der Kindheit gemacht haben. Sätze, die wir auf dem Schulhof gehört haben. Zitate, die unsere Lehrer uns mit auf den Weg gaben. Das Verrückte ist, dass das alles in unserem weiteren Leben wirkt. Diese Stimmen erzählen uns, was wir schaffen sollen oder müssten. Wo wir richtig abkacken werden und was wir uns gar nicht erst trauen brauchen, weil wir eh scheitern werden.

Wir hören auf diese Stimmen, obwohl es die Sprecher gar nicht mehr in unserem Leben gibt. Wie verrückt ist das?

Wenn uns unser Vater früher am Esstisch erzählte, dass wir zu blöd sind für die Uni, dann glauben wir das auch noch 20 Jahre später. Warum? Weil es uns verletzt hat. Weil wir uns Verständnis und Wertschätzung gewünscht haben und Erniedrigung geerntet haben. Das ist so tief in uns rein gegangen, dass wir es immer noch anerkennen – obwohl es damals schon der blanke Unsinn war.

Wenn uns unser erster fester Freund mit 14 erzählt, dass Frauen mit kleinen Brüsten nicht attraktiv sind, dann kann es sein, dass wir es auf uns projizieren und in unserem weiteren Leben als die Wahrheit nehmen. Ohne es zu überprüfen, ob wir es wirklich so sehen.

Wenn wir Lebensweisheit wie „Das Leben ist kein Ponyhof“ mit auf den Weg bekommen, dann hören wir bei all den Geschehnissen genau diesen Satz, intern. Wie eine Art Bestätigung der Aussagen. Und das, obwohl wir es nie anders ausprobiert haben.

Diese Stimme in unserem Kopf erzählt uns sehr oft Dinge, die wir in der Vergangenheit gehört haben und nun immer noch für bare Münze nehmen, obwohl die Sprecher zu diesen Aussagen, gar nicht im Raum sind.

Ich bin der Meinung, wenn wir schon Stimmen hören, in Form von Gedanken – dann können wir die auch mit unseren Ansichten bestücken. Nur weil mal ein Lehrer vor 30 Jahren meinte, ich könne kein Englisch, heißt das noch lange nicht, dass das stimmt.

Unsere Stimme sollte unsere Gedanken wiedergeben und uns groß machen. Diese Stimme ist FÜR uns da. Um uns zu stärken und zu fördern.

Alles Liebe,

Jana

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