Wertschätzende Kommunikation – Teil IX

scherenschnitt

Thema: Wertschätzende Wörter für deine Kinder

Wie erziehen wir unsere Kinder?

Klar, nach unseren Werten. Werte, die uns mit auf den Weg gegeben wurde. Werte, die wir vermittelt bekommen haben von Menschen aus unserer Umwelt. Werte, die wir gelesen haben und für gut befunden haben. Werte, die wir uns in den letzten Jahren selber aufgebaut und für wichtig eingestuft haben.

Wie reden wir mit unseren Kindern?

So, wie wir es gelernt haben. Wie unsere Eltern und Großeltern mit uns sprachen. So, wie es pädagogisch wertvoll sein kann und soll. So, wie uns der Schnabel gewachsen ist.

Wahrscheinlich von allem ein bisschen, fließt in unsere Kommunikation mit Kindern rein.

Frage: Wie bewusst bist du dir darüber?

Was ist damit meine, möchtest du jetzt wissen?

Ich frage dich, wie bewusst bist du dir über deine Worte die du verwendest in der Kommunikation mit deinem Kind? Ich frage dich, welche Worte wurden als Kind zu dir gesagt und sagst du nun zu deinem Kind? Ich frage, bist du dir im Klaren darüber, was die Worte deiner Eltern mit dir gemacht haben und welche Macht sie auf dich ausüben? Ich frage, wenn du die gleichen Worte von damals deinem Kind gegenüber anwendest, macht dass das gleiche mit ihm wie mit dir?


Viele Fragen und keine Antwort

Worauf will ich hinaus?

Jeder von uns hat in seiner Kindheit Worte gehört, die ihm gut taten. Wörter, die Lob und Stolz ausgedrückt haben. Wörter, die Zuneigungen und Geborgenheit ausstrahlten. Wörter, die eine Geheimsprachen waren, als Zeichen der Verbundenheit. Diese Wörter und Sätze von Eltern und Großeltern haben uns geprägt. Und in manch sentimentaler Stunde sind sie wieder da und geben Kraft und Sicherheit. Sicherheit dafür, dass alles gut wird.

Was aber ist mit den Worten die nicht positiv und schön waren? Worte, die uns weh getan haben oder uns verletzt haben. Worte, in denen wir uns gedemütigt fühlten? Worte, die uns trafen, die wir aber nicht ansprechen konnten. Warum? Weil wir zu klein waren, um zu erkennen was gerade geschieht. Weil wir Kinder waren und aus Respekt (oder Angst?) vor dem Alter keine Widerrede uns trauten. Weil wir selbst  als Erwachsene noch darunter leiden solche Worte gehört zu haben.

Weil wir nicht verstehen könne, warum liebende Menschen so etwas sagen.

Beispiel gefällig?

„So blöd wie du hat sich noch niemand angestellt.“

„Du isst wie ein Baby.“

„Zu blöd zum scheissen.“

„Schon wieder eingepullert? Da kann ich dich ja gleich Pulver – Jochen nennen.“

„Ne 5 in Geografie. Du bist zu doof, um auf dem Atlas zu schauen.“

Diese Liste kann jeder für sich beliebig fortsetzen.

Wer bewusst kommuniziert, der weiß um seine Sätze. Weiß, was sie mit einem gemacht haben. Weiß, das diese Sätze nicht hilfreich waren für die Stärkung des Selbstbewusstseins.

Und trotzdem verwenden Eltern eben genau diese Sätze bei ihren eigenen Kindern. Sagen dieselben schlimmen Wörter, mit der gleichen Wirkung. Und warum? Weil sie es so erlebt haben. Weil es ihnen nicht geschadet hat. Sicher? Ganz sicher?

Nur weil es schon immer so war, heißt es nicht, dass es gut ist.

Nur weil deine Eltern so mit dir gesprochen haben, heißt das nicht, dass es spurlos an dir vorbeigegangen ist.


Meine Vermutung

Die eigenen Verletzungen anzuschauen, dass macht nun wirklich keine Freude. Zu erkennen, dass die eigenen Eltern auch nur Menschen waren und Fehler gemacht haben – da platzt so manche Fantasieblase. Allerdings sollte uns das Wohl unserer Kinder genau das wert sein.

Worte können Waffen sein. Nach innen und nach aussen. Im Guten, wie im Bösen. Werden dieselben Wörter von damals verwendet, dann schwingt da diese Energie mit. Diese Energie von Wut und Demütigung. Von der Ohnmacht, nichts dagegen getan zu haben bzw. zum damaligen Zeitpunkt nichts ausrichten zu können. Enttäuschung darüber, dass diese Worte unsere/ deine Ohren erreichten.

Mit Worten werden Emotionen verbunden und diese durch das Weiterverwenden auch weitergetragen. Diese Energie erreicht dann deine Kinder, die von deinen Verletzungen nichts wissen. Die von der Macht der Worte nichts wissen.

Es ist dann, als würde eine rohes Ei nicht nur auf den Boden fallen, sondern als würde die Person, der das Ei aus der Hand gefallen ist im Schlusssprung nochmal drauf springen. Schön ist das nun wirklich nicht!!!


Mein Anliegen

Vor kurzer Zeit habe ich zu meinem Thema „Wertschätzende Kommunikation“ einen Vortrag gehalten. Im Kindergarten, und dort habe ich auch dieses Thema angesprochen. Die Blicke der Eltern – von Kopfnicken bis hin zu einem starren Ausdruck war alles dabei. Die Betroffenheit war merklich spürbar. Und genau aus diesem Grund ist es mir wichtig darüber zu reden. Aufzuklären und sichtbar zu machen.

Ich wünsche mir, dass Eltern, Großeltern, Pädagogen und all die Menschen die mit Kindern zu tun haben, sich darüber bewusst sind. Das sie sich ihre Vergangenheit anschauen und die Worte die diese geprägt haben. Das sie erkennen, dass das eben so war und sie es nun in der Hand haben es anders zu machen. Das kleine Kinderseelen so zart sind, dass es uns wert sein sollte unsere Sprache sorgsam zu wählen. Das es ein Privileg ist, mit Kindern zu leben und diese Beziehungen nicht leichtsinnige auf die Probe gestellt werden sollte.

Auch wenn jetzt – am Ende meiner Gedanken – einige Leser meinen ich sei zu esoterisch oder zu Freud-lastig mit meinen Aussagen. Es geht immer noch um Kommunikation und all unser Tun oder Nicht – Tun wirkt. Bei uns und beim Gegenüber und erst recht bei Kindern. Das allein reicht mir, um so einen Beitrag zu verfassen und aufzurütteln. Und natürlich darf es auch weh tun – schließlich wollen wir alle an unseren Erfahrungen wachsen und reifen und für unsere Kinder gute Kommunikationsvorbilder sein!


Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

Bildquelle: www.pixabay.de

3 Gedanken zu “Wertschätzende Kommunikation – Teil IX

    • janaludolf schreibt:

      Liebe Marion,
      vielen Dank für Deine Frage.
      Sprechen Familienmitglieder wenig wertschätzend mit deinen Kindern, dann sprich sie direkt und zeitnah darauf an. Sage ihnen, dass die Art und Weise der Kommunikation nicht deinem Verständnis von einem wertschätzenden Umgang entspricht. Bleib bei klaren Ich-Botschaften. Zur Klärung dieser Situation ist es förderlich an einen neutralen Ort zu gehen, d.h. nicht vor den Kindern oder andern Familienmitgliedern. Das sieht sonst wie vorführen aus und führt leicht zu hitzigen Diskussionen.
      Unterstützend kann es sein, sich bereits im Vorfeld auf dieses Gespräch vorzubereiten (Wie definiere ich Kommunikation? Welchen Umgang wünsche ich mir für meine Kinder? Welche Konsequenz ziehe ich, wenn sich das Verhalten nicht ändert?). Somit ist die Gefahr gering, sich auf unsachliche Auseinandersetzungen einzulassen.

      Ich hoffe, der eine oder andere Tipp ist für dich umsetzbar. Über eine kurze Rückmeldung über das anstehende Gespräch, wäre ich sehr erfreut.:-)

      Mit sonnigen Grüßen
      Jana

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