Wenn unsere Bitte eine Forderung ist

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In der Kindheit wurden uns verschiedene Werte und Tugenden mit auf den Weg gegeben. Sei es das wir immer freundlich Grüßen, den Platz für einen älteren Menschen frei machen oder das wir Bitte und Danke sagen.

Gerade der letzte Punkt hört sich so einfach an. Aber an manchen Tagen will uns das Bitten einfach nicht gelingen. Entweder wir stoßen auf Widerstand oder unsere Bitte wird überhört. Am schlimmsten ist es allerdings, wenn unsere Bitte als Forderung verstanden wird. Diese Unterstellung – zumindestens geht es mir dann immer so – macht mich echt wütend. Schließlich habe ich BITTE gesagt.

Aber Bitte und Bitte ist eben nicht das Selbe.

Wie oft bitten wir andere Menschen um etwas. Und wie oft passiert es, dass uns genau das nicht gelingt? Woran liegt das?

Eine Bitte zu formulieren ist eben gar nicht so einfach.


Kannst du mal BITTE dein Zimmer aufräumen?

In unserem Alltag wollen wir (davon bin ich überzeugt) immer das Beste – sowohl für uns, als auch für unsere Mitmenschen. Aus diesem Grund tun wir die verschiedensten Dinge. In der Kommunikation bedeutet dies, dass wir freundlich reden, ohne die Stimme zu erheben. Das wir aktiv Zuhören und in den Gesprächen präsent sind. Das wir unser Wortwahl positiv wählen.

Damit unser Alltag glatt läuft, müssen alle mit anpacken. Gerade in der Familie ist es wichtig, das jeder seine Aufgaben im Haushalt hat. Schließlich wollen alle ein schönes Zuhause haben. Und aus diesem Grund bitten wir die Kinder, den Partner oder die Partnerin um kleine Unterstützungen.

Beispiel:

„Kannst du bitte den Müll rausbringen?“

„Kannst du bitte dein Zimmer aufräumen?“

„Kannst du mir mal bitte zuhören?“

Nur weil da in den Sätzen ein Bitte vorkommt, heißt das noch lange nicht, dass es auch eine Bitte ist. Was machst du, wenn die Bitte nicht erfüllt wird? Was machst du, wenn daraus eine Diskussion entsteht? Bist du dann sauer und sagst: „Vielen Dank für deine Unterstützung?“ oder sagst du den gleich Satz nochmal – nur lauter? Oder schiebst du dann den Satz hinterher „Das war keine Bitte, sondern ein Befehl?“

Und wie sieht es mit deiner besten Freundin oder deiner Mutter aus? Was machst du, wenn du eine Bitte formulierst und diese dann nicht erfüllt wird? Bist du dann die nächsten Tage beleidigt daheim? Oder denkst du dir, beim nächsten mal werde ich dir deine Bitte auch nicht erfüllen?

Mein Tipp:

Sobald du wütend bist oder sauer, weil deiner Bitte nicht folge geleistet wird, war es KEINE Bitte, sondern eine Forderung.

Eine Bitte ist ein höflicher Ausdruck eines Wunsches. Und dieser kann erfüllt werden oder eben nicht. Und wenn du möchtest, das dein Kind sein Zimmer aufräumt, dann sage es klar und deutlich. Schiebe da kein Bitte ein, nur damit es freundliche klingt. Ebenso gilt das für deine Partnergespräche. Wenn du möchtest, dass etwas erledigt wird, dann benenne es konkret. Auch eine konkrete Handlungsaufforderung kann freundlich rübergebracht werden, ohne dafür das Wort Bitte zu missbrauchen.


Die Eigenschaften einer Bitte

1. Ich – Form

Wenn du eine Bitte formulieren möchtest, dann spreche von dir. Benutze die Ich – Botschaft, schließlich geht es ja auch um dich.

2. konkret

Formuliere deine Bitte so konkret wie möglich. Somit weiß dein  Gegenüber was du möchtest und kann dir daraufhin auch eine konkrete Antwort geben.

Beispiel:

unkonkret 

„Ich möchte mich morgen mit dir treffen.“

besser:

„Ich möchte morgen um 12 Uhr mit dir gerne zu Mittag essen.“

3. sinnvoll

Benenne den Sinn deiner Bitte. Warum? Wir Menschen ticken so, dass wir gerne sinnerfüllt arbeiten und leben und so auch unsere Freizeit verbringen. Erkennen wir den Sinn nicht, fehlt uns der Antrieb, die Motivation, der Sinn eben um bestimmte Tätigkeiten auszuführen.

Beispiel:

„Ich möchte morgen um 12 Uhr mit dir gerne zu Mittag essen, weil ich mit dir Zeit verbringen möchte / ich etwas wichtiges zu besprechen habe …“

4. realisierbar

Dein Gesprächspartner  sollte die Chance auf die Umsetzung deiner Bitte haben. Das bedeutet, wenn sie nicht für deinen Gesprächspartner realisierbar ist, warum stellst du dann diese Bitte?

Beispiel:

Dein Gesprächspartner befindet sich gerade nicht in der selben Stadt wie du. Wie soll er da deiner Bitte, nach einem gemeinsamen Mittagessen, folgen können?

5. verhandelbar

Auch wenn es deine Bitte ist, sie sollte verhandelbar sein. Ist sie es nicht, ist es keine Bitte, sondern eine Forderung.

Beispiel:

Dein Gesprächspartner kann um 12 Uhr nicht, da er ein wichtigen Arbeitstermin hat. Nun könnt ihr um die passende Uhrzeit verhandeln, damit deine Bitte nach einem gemeinsamen Mittagessen umgesetzt werden kann.

6. positiv

Formuliere deine Bitte positive. Lasse Wörter wie nicht / nie  weg. Zum einen hören wir diese Wörter eh nicht, da unter Gehirn diese absorbiert. Zum anderen klingt es weniger freundlich.


 

Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!

Sonnige Grüße

Jana

Bildquelle: www.pixabay.com

3 Gedanken zu “Wenn unsere Bitte eine Forderung ist

  1. Christopher J. Schmidhofer schreibt:

    Sehe ich etwas anders.

    „Räume bitte dein Zimmer auf“ ist trotz des Wortes „Bitte“ eher eine nette Forderung.

    „Würdest du bitte dein Zimmer aufräumen“ ist durch den Konjunktiv eher eine Bitte.

    Wieso schreibe ich da jetzt „eher“? Weil es auf die Betonung ankommt. Darauf muss Mensch achten. Kontext, Betonung, Körpersprache. Das gehört alles zur Kommunikation dazu. Dies zu reduzieren auf reine Wortwahl funktioniert nicht und ist aus meiner Sicht der falsche Weg.

    Die aufgezählten Eigenschaften jedenfalls sollten beachtet weden – sowohl bei Forderungen als auch bei Bitten.

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    • janaludolf schreibt:

      Hallo Christopher,

      vielen Dank für deine kritische Rückmeldung. Recht hast du, dass in jeder Kommunikation Gestik, Mimik und Körperhaltung beachtete werden sollten. Diese drei Eigenschaften unterstreichen das gesprochene Wort.Die Aussage wird damit lebendig. Im Bereich Bitte und Forderung habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele diese beiden Aussagen gleichsetzen oder verwechseln. Aus diesem Grund entstand mein Beitrag. Die Wortwahl spielt – in meinen Augen – eine wichtige Rolle, damit die Bitte als solche auch wahrgenommen wird. Diese Wortwahl ist nicht jedem bewusst. Eine Bitte lässt dem Zuhörer die Wahl, diese zu erfüllen oder nicht. Eine Forderung lässt dem Gesprächspartner keine Möglichkeit zu entscheiden. Erfülle ich den Wunsch oder erfülle ich ihn nicht. Dieser gravierende Unterschiede führt in vielen Gesprächen zu Diskussionen oder gar Streit und Konflikten. Eine klare Abgrenzung dieser beiden Aussagen spielt für einer gelungene Kommunikation eine wichtige Rolle.

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